WAL-Betrieb: Fachaustausch mit Wasserwirtschaft-Experten in der Lausitz bei LMBV erfolgt

Senftenberg. Im Rahmen eines fachlichen Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wasserwirtschaft ergab sich kürzlich die Gelegenheit, die Modulare Wasserbehandlungsanlage Ruhlmühle in Neustadt an der Spree im Ortsteil Döschko und die Konditionierungsanlage Spree in Spremberg im OT Cantdorf der LMBV zu besichtigen und wertvolle Einblicke zu gewinnen, informierte die Wasserverband Lausitz Betriebsführungs GmbH auf ihrer Website.

Die o. g. Anlagen sind essenzielle Bestandteile der umfangreichen wasserwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen, welche von der LMBV durchgeführt werden, denn die jahrzehntelange Kohleförderung hat deutliche Spuren hinterlassen. Infolge des Braunkohleabbaus in der Lausitz sickern Eisen- und Schwefelverbindungen über die Grundwasserleiter, bei steigendem nachbergbaulichen Grundwasserständen und erhöhtem Niederschlagsaufkommen in die Spree, wodurch die Eisen- und Sulfatwerte im Fließgewässer stark ansteigen.

Der WAL-Betrieb unterstützt diese Ziele durch den tagtäglichen Betrieb der innovativen Wasserbehandlungsanlagen im Auftrag der LMBV – so in Burgneudorf, in Neustadt an der Spree und im OT Döschko an der Ruhlmühle sowie die Konditionierungsanlage im Zulauf der Spree zur Talsperre Spremberg. Die Anlagen sind darauf spezialisiert, dass durch die ehemaligen Tagebaue bergbaulich beeinflusste Grundwasser zu reinigen und kontrolliert in die umliegenden Oberflächengewässer einzuleiten. Mit den etablierten Prozessschritten der Wasserbehandlung zur Enteisenung wie Belüftung, Neutralisation, Flockung und Sedimentation tragen diese wesentlich zur Sicherung der Wasserqualität bei und setzen Maßstäbe für eine nachhaltige Aufbereitung.

Die MWBA Ruhlmühle kann bis zu 100 Liter Wasser pro Sekunde verarbeiten/aufbereiten und entfernt dabei über 90 % des darin enthaltenen Eisenhydroxids, welcher als Eisenhydroxidschlamm extrahiert und schlussendlich fachgerecht entsorgt wird. Dies entspricht einer täglichen Eisenfracht von 1.200 Kilogramm an gebundenem Eisen, welches dem Wasser aus dem Altarm der Spree entzogen wird.

Im Rahmen der Besichtigung erhielten die Teilnehmenden detaillierte Einblicke in die Funktionsweise und den Betrieb der Anlagen. Die Besichtigung bot gleichzeitig eine ideale Plattform für den fachlichen Austausch und verdeutlichte die Bedeutung moderner Wasserbehandlungstechnologien. Um die Herausforderungen der Renaturierung ehemaliger Bergbauregionen nachhaltig zu bewältigen, bedarf es einer engen Zusammenarbeit aller handelnden Akteure, so die Autorin Susan Bandorski, Leiterin Projektentwicklung/Öffentlichkeitsarbeit beim WAL-Betrieb. (UST / SB WAL-B)

Fotos: WAL-Betrieb | LMBV 2024


AG Flussgebietsbewirtschaftung: Nach dem Bergbau in der Lausitz bleibt die Jahrhundertaufgabe des Wasserhaushaltes

Dresden. Am 14. November 2024 fand im Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) in Dresden ein Pressegespräch statt. Die zentrale Botschaft war, dass die Wasserversorgung in der Lausitz und nachfolgend auch in Berlin zu einer Jahrhundertaufgabe mit noch nicht abschätzbaren Kosten werde. Um nach dem Ende des Braunkohleabbaus einen selbstregulierenden Wasserhaushalt „hinzubekommen“, könne es Jahrzehnte oder sogar einhundert Jahre dauern, betonte eingangs Regina Heinecke-Schmitt, Abteilungsleiterin im sächsischen Umweltministerium, bei diesem Termin anlässlich einer Tagung der Arbeitsgruppe Flussgebietsbewirtschaftung Spree, Schwarze Elster, Lausitzer Neiße in Dresden. An dieser Arbeitsgruppentagung nahmen auch LMBV-Abteilungsleiter Dr. Oliver Totsche und Maik Ulrich, Leiter der Flutungszentrale Lausitz der LMBV teil.

Bis zu einem selbstregulierenden Wasserhaushalt seien viele einzelne Schritte zu gehen, betonte die sächsische Wasser-Expertin und verwies unter anderem auf die Flutung und Nachsorge bei Tagebau-Restseen und das einhergehende Ansteigen der Grundwasserspiegel. „Nicht zuletzt müssen wir dabei einpreisen, dass wir parallel auch klimatische Veränderungen haben“, zitiert dpa die Abteilungsleiterin. Vorstellungen über den Zufluss von Wasser und die Verdunstung seien noch vor Jahrzehnten ganz anders gewesen. All das müsse in Strategien für ein nachhaltiges und Ressourcen schonendes Management einfließen.

Laut Heinecke-Schmitt lässt sich derzeit nicht abschätzen, „was das am Ende koste“. Derzeit laufende Machbarkeitsstudien seien durch die Länder Brandenburg, Berlin und Sachsen finanziell abgesichert. Dafür stünden 1,6 Mio. Euro bereit. Eine Studie zum Grundwassermodell werde gemeinsam mit dem Bund finanziert und sei auf neun Millionen Euro veranschlagt. 70 Prozent davon trage der Bund, je 15 Prozent die Bundesländer Brandenburg und Sachsen, so Anke Herrmann, Abteilungsleiterin im zuständigen Brandenburger Ministerium MLUK laut dpa.

Eine Machbarkeitsstudie laufe derzeit zu einem möglichen Überleiter von der Elbe in die Lausitz. Es gäbe allerdings Sorgen etwa beim Hamburger Hafen, ob man auf dem Trockenen sitze, wenn Wasser aus der Elbe abgeleitet würde, hieß es. Die Machbarkeitsstudie für den Elbe-Überleiter sei nur ein Baustein des wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzepts, das in etwa zwei bis drei Jahren vorliegen soll. „Wir sind sehr daran interessiert, dass das schnell geht“, unterstrich Heinecke-Schmitt.

Ein Fokus richtete sich auch auf den Spreewald und seine künftige Wasserversorgung. Nach den Worten von Simon Henneberg, Referatsleiter im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) in Brandenburg, gelte es beim Spreewald zu überdenken, wie man ihn als Biosphärenreservat und UNESCO-Weltkulturerbe mit Tourismus erhalten kann. Das heiße nicht, dass alles eins zu eins so bleiben müsse. Es gehe aber um die Frage, in welchem Umfang Wassereinsparungen möglich seien. (UST - mit dpa)

Pressegespräch der Arbeitsgruppe Flussgebietsbewirtschaftung Spree, Schwarze Elster, Lausitzer Neiße in Dresden
Fotos: Dr. Oliver Totsche (LMBV) Luftbilder: Steffen Rasche für LMBV


Neukonstituierung des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg am 14.11.2024 erfolgt

Cottbus. Am 14.11.2024 hat sich der Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg (BKA BB) in Cottbus neu konstituiert. Zunächst fand eine Vorstellung der beschließenden Mitglieder für die 9. Amtsperiode des BKA statt. Darauf folgte ein Statement des geschäftsführenden Ministers für Infrastruktur und Landesplanung und die Berufung der Vertreter der Kammern und Verbände. Die LMBV hat als Sanierungsbergbautreibende - ebenso wie der aktive Kohleförderer LEAG - eine beratende Stimme im Ausschuss, die von LMBV-Prokurist Gerd Richter, Bereichsleiter des Sanierungsbereiches Lausitz, wahrgenommen wird.

Am Anfang der 104. Ausschusssitzung stand die Neuwahl des Vorsitzes und der Stellvertreter. Die Leitung dieser Wahl aus den Reihen der Mitglieder erfolgte durch Winfried Böhmer als das Mitglied, das dem Ausschuss bereits am Längsten angehört – hier seit 1994. Zum Vorstand des BKA BB wurden folgende Persönlichkeiten gewählt:

Vorsitzende:       Kerstin Kircheis (Wiederwahl)

  1. Stellvertreter: Frank Schneider (Wiederwahl)
  2. Stellvertreter: Dorothee Land (neu, zuvor: Matthias Scheufele)

Der geschäftsführende Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Rainer Genilke, setzte in seiner Einführungsrede verschiedene Schwerpunkte, so Kati Starost, LMBV-Abteilungsleiterin, in ihrer Nachschau. Der BKA BB und die Gesellschaft befinden sich in einer Transformation, betonte der Minister. In diesen Zeiten ist die Arbeit des Sanierungsbergbaus auf Basis der Verwaltungsabkommen unverändert wichtig, ebenso wie auch das Ausführen des Braunkohleplanverfahrens Welzow-Süd TA I mit dem Herstellen eines neuen Restsees. Auch die Arbeit des Braunkohlenausschusses behält seine zentrale Bedeutung. Der Minister und gewählte Vizepräsident des Landtages in Potsdam wünschte dem Braunkohlenausschuss weiterhin Erfolg für das Erledigen seiner Aufgaben.

In der nachfolgenden Berichterstattung u.a. zu Fragen der Arbeit der LMBV ging es z. B. um vorhandene Partnerschaften des Bergbausanierers mit Wissenschaftsinstitutionen zum Thema der Verwertung und Nachnutzung von Eisenhydroxid sowie um das Vorgehen des Sanierungsunternehmens zur möglichen Aufhebung der großflächig noch eingerichteten Sperrbereiche, so um:

  • das Pilotvorhaben mit der SSPV im Tgb. Seese-Ost:
    • Dort ist eine Fertigstellung der SSPV angestrebt.
    • Der Nachweis des Verdichtungserfolges ist noch nötig.
    • Die Vorlage der Nachweise über den Verdichtungserfolg liegen bei den Bergämtern.
    • Eine Abnahme des LBGR ist notwendig, um Überführung des Piloten SSPV in einen Regelbetrieb vornehmen zu können.
  • die Restlochkette, im Bereich der Innenkippe Koschen:
    • Dort ist die Fläche durch RDV-Dämme eingerahmt,
    • eine rechnerische Überprüfung der Verdichtungsergebnisse ist in Arbeit bei Sachverständigen und
    • bei positiven Ergebnissen kann eine Freigabe dieser Flächen erfolgen.

Eine Freigabe des weit größeren Teils an gesperrten Innenkippen-Flächen wird noch Jahre andauern:

  • als Ziel sind 80 % in 15 bis 20 Jahren zu sichern und nachfolgend nutzbar zu machen.
  • Es erfolgte der Verweis auf bereits gegebene Informationen der LMBV zur Innenkippen-Priorisierung in der BKA-Sitzung am 16.11.2023.
  • Die Sanierung von herausfordernden ausgewählten Teilflächen wird noch Jahrzehnte andauern; sie ist zudem mit hohen Kosten verbunden, wie z. B. im Tgb. Schlabendorf-Süd. Die Bundesregierung suche parallel Wildnis-Entwicklungsgebiete.
  • Grundlage der LMBV sind jedoch bisher die Sanierungsrahmenpläne  in Untersetzung mit den ABP.  Wildnisgebiets-Ausweisungen seien mit umfassenden Fragestellungen verbunden, die auch auf Landesebene weiter zu klären und zu diskutieren sind. (KS|UST)
104. Sitzung des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg in Cottbus
Fotos: Kati Starost (LMBV)


Mongolische Wirtschaftsdelegation im LMBV-Sanierungsgebiet unterwegs

Senftenberg | Lausitzer Seenland. Am 14. November machten sich 30 Fachleute aus der mongolischen Wirtschaft mit Projekten der LMBV in der Lausitz vertraut. Sie waren von der OAV - German Asia-Pacific Business Association eingeladen worden und wurden von der China & Mongolei-Regionalmanagerin Louisa de Fallois begleitet. Jörg Schlenstedt und Dr. Uwe Steinhuber betreuten die Gäste seitens der LMBV.

Zunächst wurde der Hafen Großräschen, der Weinberg und die Seebrücke vorgestellt und das Sanierungsgebiet der LMBV räumlich abgesteckt. Bei einem Einführungsvortrag zu den Aufgaben und Herausforderungen der LMBV konnte Fachreferent Jörg Schlenstedt auch auf seine Expertise bei der Betreuung von Umweltvorhaben der LMBV in der Mongolei im Verbund mit weiteren Unternehmen aus der Vergangenheit aufsetzen. Die mongolischen Gäste zeigten sich sehr wissbegierig zu Fragen der Organisation und Planung von nachbergbaulichen Vorhaben.

Im weiteren Verlauf wurden die Besucher bei einer Bustour mit dem Lausitzer Seenland bekannt gemacht. Nach einem Blick auf die Kippenbereiche in einen aktiven Tagebau bei Welzow wurde am Seestrand Lieske die Aufgaben bei der Gestaltung des Sedlitzer Sees erläutert. Am Leuchtturm Geierswalde ließ sich die Nachbergbau-Folgelandschaft gut demonstrieren. An der „Himmelsleiter“ des Rostigen Nagels konnten sich die Mitglieder der mongolischen Wirtschaftsdelegation selbst einen guten Überblick über die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft verschaffen.

Die Delegation weilt in Deutschland anlässlich des Deutsch-Mongolischen Wirtschaftsausschusses (DMWA), der am 15. November 2024 vom Ostasiatischen Verein (OAV) organisiert wird. Der DMWA dient dazu bestehende bilaterale Kooperationsprojekte zu besprechen um am 18. November der Regierungsarbeitsgruppe im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Brantner und dem mongolischen Wirtschaftsminister in Berlin in Statements Bericht zu erstatten. Der Fokus lag dabei auf Bergbau und Rohstoffen, Erneuerbare Energien und Umwelt, sowie Logistik und Transport. (UST)

Die mongolischen Fachleute zeigten sich von der Größe der Lausitzer Bergbaufolgeseen beeindruckt.
Fotos: Dr. Uwe Steinhuber und Jörg Schlenstedt (LMBV)


35 Jahre Grenzöffnung am Lappwaldsee gefeiert

Harbke/Helmstedt. Am 9. November 2024 wurde am Lappwaldsee das 35-jährige Jubiläum der innerdeutschen Grenzöffnung gefeiert. Der See zwischen Harbke (Sachsen-Anhalt) und Helmstedt (Niedersachsen), der aus den ehemaligen Tagebauen Wulfersdorf und Helmstedt hervorgegangen ist, bildete den Rahmen für eine bewegende Gedenkveranstaltung.

Anlässlich der Feierlichkeiten würdigten die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, Dr. Reiner Haseloff und Stephan Weil, in ihren Ansprachen die Bedeutung des 9. November in der deutschen Geschichte. Die Grenzöffnung vor 35 Jahren markierte nicht nur das Ende der deutschen Teilung, sondern auch einen Wendepunkt für viele Regionen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die sich seither neuen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen stellen mussten und müssen.

Der bevorstehende Zusammenfluss der ehemaligen Tagebaumulden von Wulfersdorf und Helmstedt kann als Symbol für die Transformation und den Wiederaufbau der Region nach der Wiedervereinigung gesehen werden. Was bereits heute ein Ort zur Naherholung ist, war früher Grenzgebiet und während der Teilung Deutschlands streng bewacht.

Zukunftsperspektiven für den Lappwaldsee

Im Rahmen der Gedenkfeier wurden konkrete Pläne zur künftigen touristischen und wirtschaftlichen Nutzung des Lappwaldsees vorgestellt. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Sees für die Region soll er sowohl ein Ort der Erinnerung und Begegnung sein als auch ein touristischer Anziehungspunkt werden. Ziel ist es, den See zu einem Zentrum für Freizeitaktivitäten und naturnahe Erholung zu entwickeln.

Derzeit sind noch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig, welche durch die Bergbausanierungsunternehmen LMBV und Helmstedter Revier GmbH (HSR) durchgeführt werden. Bereits im Mai diesen Jahres stellte die LMBV anlässlich des FLÖZerfestes die laufenden Sanierungsarbeiten am Lappwaldsee vor. Der Lappwaldsee stehe nicht nur für die Herausforderungen der deutschen Einheit, sondern auch für den Wandel einer Region, die über Jahrzehnte hinweg vom Kohleabbau geprägt war. Dieser Wandel schaffe neue Zukunftsperspektiven. (CS)

Feierten gemeinsam 35 Jahre Grenzöffnung am Lappwaldsee (v.l.n.r.): Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Mirko Mennert (Projektmanagement LMBV), Grit Uhlig (Leitung Sanierungsbereich Mitteldeutschland LMBV), Thomas Klein (Geschäftsführer Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH), Jana Hübner (Projektmanagement LMBV), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Henning Konrad Otto (Verbandsgeschäftsführer Planungsverband Lappwaldsee), Bernd Sablotny (Sprecher der Geschäftsführung der LMBV), Thoralf Klehm (Geschäftsführer Helmstedter Revier), Gerhard Radeck (Landrat Landkreis Helmstedt).

Foto: Maik Schöttke


Zahlreiche Gäste folgten der Einladung zum Festakt. (Foto: Maik Schöttke)

Der Lappwaldsee im Mai diesen Jahres. (Foto: Christian Kortüm)


Veranstaltungsreihe der LMBV wird fortgesetzt: Themenwerkstatt zur Bodenaufwertung mit EHS

Senftenberg. Welchen Beitrag kann Eisenhydroxidschlamm (EHS) leisten, um nährstoffarme Kippenböden aufzuwerten? Was genau geschieht mit den EHS-Bestandteilen in der Natur? Lassen sich aus einem Pilotvorhaben Schlüsse für eine landwirtschaftliche Nutzung des EHS ziehen? Trifft das auch für die riesigen Mengen zu, die in Folge des Grundwasserwiederanstiegs an die Oberfläche und in die Lausitzer Flüsse eingetragen werden?

Diesen und anderen Fragen will eine weitere Themenwerkstatt der LMBV nachgehen, die sich mit dem Thema Eisenhydroxidschlamm beschäftigt. Referent ist diesmal der Experte Dr. Oswald Blumenstein, der dazu an der Universität Potsdam geforscht hat und inzwischen die InterEnviroCon GmbH leitet. Er hatte zum Thema EHS-Nutzung ein sogenanntes Pilot- und Demonstrationsvorhaben (PuD) im Auftrag der LMBV auf der Innenkippe Spreetal durchgeführt.

Hintergrund: Die LMBV plant auf ihrem Betriebsgelände, dem früheren Baggerfeld 116 im Randschlauch Kostebrau des ehemaligen Tagebau Klettwitz, eine Deponie für Eisenhydroxidschlamm. Während es im unmittelbaren Projektumfeld Kritik an dem Vorhaben gibt, sehen Experten und das Aktionsbündnis Klare Spree darin eine Lösung für das EHS-Problem, das zur Verockerung der Spree und anderer Fließgewässer führt. Die Monodeponie könnte demnach – neben der Vermeidung und Wiederverwertung von EHS – eine von vielen Lösungen sein, um der Sache (d.h. dem schieren Mengenproblem von zukünftig etwa 60.000 Tonnen EHS-Anfall pro Jahr) Herr zu werden.
Um das Thema etwas weiter zu öffnen und den Austausch über offene Fragen zu ermöglichen, wird die Veranstaltungsreihe im November 2024 fortgesetzt.
Prof. Blumenstein wird die Themenwerkstatt mit einem Vortrag über „Nutzungsmöglichkeiten und -grenzen für EHS in der Landwirtschaft“ einleiten. Anschließend sollen die Teilnehmer in einen möglichst regen Austausch zum Thema „EHS als Bodenverbesserer“ kommen.

Die Veranstaltungen sind offen und bedürfen keiner Anmeldung.dies

Die Themenwerkstatt mit Dr. Oswald Blumenstein zu

„Nutzungsmöglichkeiten und -grenzen für EHS in der Landwirtschaft

findet statt am:

Donnerstag, 28. November 2024,
17:00 Uhr
Kreisverwaltung Senftenberg,

Großer Sitzungssaal, Dubinaweg 1

01968 Senftenberg


Bohrungen für neue Grundwassermessstellen am Zwickauer Brückenberg begonnen

Sondershausen/Zwickau. Am 11. November 2024 haben die Bohrarbeiten am Zwickauer Brückenberg begonnen.  Im Auftrag der LMBV bohrt vor Ort die Wismut GmbH neue Grundwassermessstellen mit einer Tiefe von bis zu 25 Metern. Bei Antreffen der entsprechenden hydraulischen Voraussetzungen werden dabei drei Doppelmessstellen mit jeweils einer Verfilterung im Muldeschotter sowie im Festgesteinsgrundwasserleiter errichtet. 

Seit dem Jahr 1865 wurde auf dem Brückenberg Steinkohle abgebaut. Kokereien wurden ab dem Jahr 1873 am Standort betrieben. Die Stilllegung des Komplexes Brückenberg erfolgte im März 1992. Durch die langfristige Produktion von Koks, Gas und Nebenprodukten am Standort wurde eine erhebliche Kontamination im Boden und Grundwasserbereich verursacht. Die Sanierung der Flächen erfolgte von 1996 bis Juni 1999 vor allem durch großflächige Versiegelungen.

Im Rahmen der Sanierung wurde außerdem ein Überwachungsmessnetz für die lokalen Grundwasserschäden errichtet. Das seither unter der Verantwortung von LMBV-KSE, Nachsorgebetrieb Zwickau betriebene Monitoring ist im Wesentlichen auf den Quellschadensbereich der Kokerei und seine unmittelbare Umgebung begrenzt. Der Fokus lag dabei auf der Erfassung und Bewertung der relevanten Schadstoffe im unmittelbaren Umfeld des Altstandortes Brückenberg.

Die Ergebnisse des Monitorings der vergangenen ca. 10 Jahre zeigen, dass sich die Schadenssituation im sogenannten Abstrom bzw. am Quellenrand zwar als stabil darstellt, jedoch auf einem relativ hohen Schadensniveau verharrt. Davon ausgehende potenziell Gefahren für Schutzgüter - z. B. Oberflächengewässer Mulde, ungeschädigtes Grundwasser - sind durch das Monitoring nur punktuell bewertbar. Aus diesem Grund hat sich die LMBV sich veranlasst gesehen, den Zustand des Grundwasser-Abstrombereichs Brückenberg vertiefend zu erkunden und den weiteren Umgang damit mittels eines hydrogeologischen Strukturmodells neu zu bewerten.

Dafür wurde ein Genehmigungsverfahren von bis zu zehn neuen Grundwassermessstellen beim sächsischen Oberbergamt unter Beteiligung der jeweils zuständigen Fachbehörden durchlaufen und die Arbeiten genehmigt. Diese sollen im 4. Quartal 2024 beginnen.

Da im Rahmen einer vorauslaufenden Kampfmittelauskunft laut der zuständige Bauaufsichtsbehörde für einige Bereiche der geplanten Bohransatzpunkte mit Kampfmitteln zu rechnen war, musste im Vorfeld eine sogenannte Kampfmittelerkundung durchgeführt werden. Damit wird das Antreffen von Bomben, Munition und ähnlichem ausgeschlossen. Diese Arbeiten wurden in der 35. KW 2024 durchgeführt und die geplanten Bohrungen freigegeben. (JF)

Bohrarbeiten am Zwickauer Brückenberg. Im Auftrag der LMBV bohrt die Wismut GmbH.


Seelhausener See: Flächengestaltung des Strandes Löbnitz abgeschlossen

Löbnitz. Die langfristige Sanierung und Wiedernutzbarmachung der Bergbaufolgelandschaft im Bereich der Goitzsche zeigt Erfolge: Im September wurde die Erd- und Verkehrsbaumaßnahme für den Strand Löbnitz fertiggestellt, die im Januar 2024 begonnen worden waren. Der Bereich am sächsischen Ostufer des Seelhausener Sees ist der wichtigste Bauabschnitt für die künftige Entwicklung des bislang noch kaum touristisch erschlossenen Bergbaufolgesees.

Der Erdbau umfasste eine Fläche von insgesamt ca. 3 Hektar und konnte gemäß Planung umgesetzt werden. Dank der Böschungsgestaltung per Bagger, Dumper und Walze entstand ein abgeflachter, bis zu 40 Meter breiter und 1,05 Kilometer langer Strand in unterschiedlicher Dimensionierung und Profilierung. Die Böschung wurde durchgängig abgeflacht und der Strand in einen geschwungenen nördlichen und einen eher geradlinigen südlich verlaufenden Bereich hergestellt. Die neu gestalteten Uferböschungen wurden terrassiert angelegt und Lärmschutzwälle in Richtung der Ortsumgehung Löbnitz errichtet.

Ebenfalls im September abgeschlossen wurde die Anbindung ans bestehende Verkehrswegenetz. Der vorhandene Wirtschaftsweg – ein Teil des Seerundweges – wurde zurückgebaut. Stattdessen entstand ein 1,2 Kilometer langer asphaltierter Uferwegabschnitt mit neuem Verlauf. Ab Anfang November 2024 sollen die Ersatz- und Ausgleichspflanzungen beginnen.

Auftragnehmer für die Erd- und Verkehrswegebauarbeiten war die Firma Bickhardt Bau SE aus Sangerhausen, die ökologische Baubegleitung übernahm das Büro Knoblich aus Zschepplin. Für das § 4-Projekt zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards im Rahmen des Verwaltungsabkommens Braunkohlesanierung entstanden Gesamtkosten in Höhe von 2,0 Mio. Euro, davon entfielen ca. 1,5 Mio. Euro auf den Erd- und Verkehrswegebau.

Strand Löbnitz mit Bootsanleger am Südende. Er war vom Anglerverein in Eigenregie erstellt worden.

Fotos: Christian Kortüm


LMBV informierte Sedlitzer über Sanierungsfortschritt auf der Brückenfeldkippe

Senftenberg/Sedlitz. Auf einer gut besuchten Einwohnerversammlung am Abend des 4. November 2024 nutzte die LMBV die Möglichkeit, Interessierte über den Sanierungsfortschritt auf der Brückenfeldkippe zu informieren. Der zuständige LMBV-Sanierungsbereichsleiter für die Lausitz, Gerd Richter, löste damit eine Zusage des Unternehmens ein, regelmäßig über die Sanierungsarbeiten am und um den Sedlitzer See zu berichten. Er wurde dabei von Abteilungsleiter Michael Matthes und dem verantwortlichen Projektmanager Henry Ruske unterstützt.

Nach einer Begrüßung durch den Sedlitzer Ortsvorsteher Frank Ciesielski gemeinsam mit seinem Stellvertreter konnte G. Richter festhalten, dass die seit Mitte Januar 2024 laufenden Sprengarbeiten auf der Sedlitzer Brückenfeldkippe i.A. der LMBV planmäßig vorankommen. Im Vorfeld waren die notwendigen Beweissicherungen bei Anrainern durchgeführt worden. Alle beantragten Beweissicherungen wurden rechtzeitig erstellt. Bei den Verdichtungsarbeiten wurden entsprechend den begleitenden Schwinggeschwindigkeits-Messungen bisher alle Grenzwerte eingehalten - abgesehen von einer Ausnahme seien daher auch keine Vorkommnisse zu verzeichnen gewesen. Bei der anfänglich seenahen Sprengverdichtung wurde zunächst der dortige Stützkörper mit 680 Sprengbohrlöchern im Wege der herkömmlichen Sprengverdichtung (SPV) abgearbeitet und fertiggestellt. Hierbei kamen Ladungen von bis zu 19 Kilogramm je Sprengbohrloch bei der bis zu 40 Meter mächtigen Kippe zum Einsatz. G. Richter betonte, dass er mit der Arbeit der auftragnehmenden Sprengfirmen bisher sehr zufrieden sei.

Bei den bis zu 30-Meter tiefen Sprengungen kam es dort zu den erwarteten Absenkbeträgen von 0,2 bis 4,0 Meter. Wie der begleitend tätige Sachverständige für Geotechnik Falk Hoffmann von der Geotechnik der Firma GUB ergänzte, lagen die Absenkungen in diesem anfänglichen Primärstützkörper im Schnitt bei 1,1 Meter, was grundsätzlich den Erfolg der Verdichtungen anzeige. In den nachfolgenden nordwestlichen Sprengfeldern wurden bisher schon 590 Sprengbohrlöcher mit der „Schonenden Sprengverdichtung“ (SSPV) mit weitaus geringeren Ladungen abgesprengt. Hier kam es in der Kippe in der sog. Sprengfläche I konkret zu Absenkbeträgen von 0,2 bis 1,2 Meter, im Durchschnitt waren es 0,4 Meter. In den kommenden Monaten sind noch weitere 1.630 Sprengbohrlöcher planmäßig abzuarbeiten.

Dabei wird auch der noch stehende Sichtschutz-Waldgürtel zur Ortslage hin beansprucht werden. Die Sanierer werden weiter „sanft unterwegs sein, ohne Schaden anzurichten“, so Richter. Für voraussichtlich Ende 2025 ist der Abschluss der Sprengarbeiten zu erwarten, so seine Prognose. Nach den Sprengverdichtungen sind noch Geländeauffüllungen vorzunehmen, um die Sollhöhen gegenüber dem ansteigenden Grundwasser zu erreichen. Möglichst bis Dezember 2027 sollen diese Geländeauffüllungen in den ersten Sprengfeldern abgeschlossen werden, so die derzeitigen Planungen. 2028 schließt sich dann noch das Planieren und Meliorieren der Flächen an. Parallel werden die nördlichen Ackerflächen im Feld II und VI noch mit der SSPV und Walzen bearbeitet werden.

Erste dokumentierte Vorher-Nachher-Verdichtungskontrollen mittels Drucksondierungen und Rammsondierungen belegen das Erfordernis der umgesetzten Verdichtungsarbeiten und „bezeugen den Erfolg der ausgeführten SSPV“, so der beauftragte Gutachter Dipl.-Ing. Falk Hoffmann. Ziel ist es, eine spätere Wald- oder angrenzende Ackernutzung wieder sicherzustellen. Der Experte wies auch noch einmal auf die vorhandenen und einzuhaltenden Absperrungen hin, damit niemand im noch ungesicherten oder noch nicht aufgefüllten Gelände zu Schaden komme.

Eine Folge-Informationsveranstaltung für die Sedlitzer unter Mitwirkung der LMBV wurde für das spätere Frühjahr 2025 von Gerd Richter angekündigt. (UST / gekürzt 8.11.24)

Abarbeitungsplan der Sprengfelder auf der Brückenfeldkippe (Stand 2024)
Fotos: Dr. Steinhuber | Grafiken: LMBV


Rektor der UN-Universität Prof. Dr. Marwala unterwegs im LMBV-Revier

Senftenberg. Am 2. November 2024 besuchte der Rektor der UN-Universität und Untergeneralsekretär der United Nations Prof. Dr. Tshilidzi Marwala die LMBV und auch das Sanierungsgebiet des Unternehmens in der Lausitz. Er wurde von Torsten Safarik, Kaufmännischer Geschäftsführer, und vom Lausitz-Sanierungsbereichsleiter Gerd Richter zunächst bei der LMBV in Senftenberg empfangen. Gemeinsam gingen sie anschließend auf eine Jeep-Tour, um sich über den Wandel in der Lausitz und die Bergbausanierung zu informieren. Dabei wurden u.a. die Ableiterbaustelle vom Sedlitzer See, die Marina am Sedlitzer See, der Ilse-Kanal, der Hafen Großräschen sowie der LMBV-Sanierungstagebau Greifenhain angefahren.

Die LMBV gratulierte zudem Prof. Dr. Marwala auch herzlich zu seiner Auszeichnung mit dem Carlowitz-Nachhaltigkeitspreis, der ihm im Rahmen der SÄCHSISCHEN NACHHALTIGKEITSKONFERENZ 2024 als „KI-Wissenschaftler für Nachhaltigkeit“ am 01.11.2024 in Chemnitz verliehen worden war. Veranstalter war dort die Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft e. V. zur Förderung der Nachhaltigkeit.

Als Bergbausanierer hat die LMBV eine ganz besondere Bindung zu Hans Carl von Carlowitz, der als Oberberghauptmann bereits 1713 schon das Wieder-Anpflanzen von Bäumen gefordert hat, nachdem für den Bergbau bereits viele Bäume - u.a. für den Schachtausbau und als Brennmaterial - geholzt worden waren. Durch ihn wurde damit der Begriff der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit erstmals begründet. Dies ist auch heute für die Sanierungstätigkeit der LMBV ein wichtiges Kriterium. Mit dem Fertigstellen auch des Sedlitzer Sees wird beispielsweise die engere Restlochkette um Senftenberg im Jahr 2026 nachhaltig in eine Nutzung überführt. Rund 4.000 ha Wasserfläche werden dann zusammenhängend für Besucher auf und an den Seen nutzbar werden.

Der UNU-Rektor wurde von Prof. Dr. Edeltraud Guenther, Direktorin der United Nations University | Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources (UNU-FLORES), von UNU-Programmdirektor Prof. Dr. Daniel Karthe, von Dr. Alexey Alekseenko, Leiter des UNU Flores-Büros in Weißwasser sowie weiteren Mitarbeitern begleitet. (UST)

Am Ilse-Kanal auf der Großräschener Seeseite wurde das entstehende Lausitzer Seenland erklärt.
Gemeinsamer Abschluss einer informativen Tour bei der LMBV in Bad Muskau.

Hintergrund zum „Hans Carl von Carlowitz – Nachhaltigkeitspreis“ für Prof. Marwala: Durch seine wegweisenden Forschungsergebnisse und -leistungen zur Verbindung von Nachhaltigkeit mit künstlicher Intelligenz (KI) inspirierte Prof. Marwala Forschung und Ausbildung für die Agenda 2030 (Pact of the Future) der UNO. Authentisch gäbe er den inhärenten Wert der Natur weiter und setze sich unbeirrbar wie Hans Carl von Carlowitz (1645-1714), für eine nachhaltige Wirtschaftsweise und vorausplanende Wirtschaftspolitik ein. Er wirke als Rektor der Universität der Vereinten Nationen als Pionier und Koordinator der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Er ermutige für eine weltumfassende Nachhaltigkeitspolitik. 

Hintergrund zu Hans Carl von Carlowitz: Als Leiter des Oberbergamtes Freiberg lag unter anderem die Holzversorgung des kursächsischen Berg- und Hüttenwesens in seiner Zuständigkeit. Der immense Holzbedarf als Baumaterial und Brennstoff unter Tage und zur Verhüttung machte eine planvolle, nachhaltige Bewirtschaftung dieser Ressource notwendig. Bedeutung erlangte Carlowitz als Verfasser des ersten eigenständigen Werkes über die Forstwirtschaft, Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht (1713). In seinem Werk fasste er das im Dreißigjährigen Krieg verringerte forstliche Wissen seiner Zeit zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmals das Prinzip der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit: „Wird derhalben die gröste Kunst / Wissenschafft / Fleiß / und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse [im Sinne von Wesen, Dasein] nicht bleiben mag.“ – Sylvicultura Oeconomica (1713), S. 105–106

Fotos: Prof. Dr. Daniel Karthe | UNU